Gedichte / Leben

"Gleis 5..."

Am Gleis 5 stehen "sie"...

Sie wollen fortfahren,
in die Fremde
und doch ist ihnen das Ziel bekannt.

Angst...Zweifel...Irgendwo und doch dort...

Das Flammenmeer der hinter ihnen brennenden Brücken
leuchtet am Horizont so unwirklich ruhig
wie ein starrer Scheinwerfer vor der Sonne.

Funken des letzten Fiebes...vergessen...Glut...

Am Gleis 5,
geht für alle dort Wartenden etwas,
was nie wieder kommt.

Zu spät...verloren...gefallen...

Sie warten auf ihren Zug
und der kalte Marmorboden des Bahnsteigs
- unsichtbar -,
als sei er von Millionen von Ameisen bevölkert.

Kalter Hauch des Marmors...Nebel...erstarrt...

"Sie" wirken wie eine grosse Gruppe
und doch sehen síe vom Himmel sehr klein aus
und wirken wie allein auf dieser Welt.

Blind...taub...sinneslos...

In einer Gruppe und doch allein,
ein gemeinsames Schicksal und doch
fehlt die Verbindung...

Händelos...Verbindung abgebrochen...lautlos...

Sie waren die eigenen Sklaven ihrer Vergangenheit,
doch die Brücken verbrannten
und nun warten sie auf die Freiheit.

Frei...Käfiglos...Los...

Sie steigen in den Zug...ohne einen Blick zurück...,
ohne einen Abschied.
Kein Goodbye... kein Tschaui... Kein Abschiednehmer...

Das Schicksal kommt mit dem einfahrenden Zug,
es fragte keinen der Wartenden,
ob sie diese Freiheit wirklich wollten.

Last minute...vorbei...last...

Der Sinn der Träume, er wurde unerreichbar,
Ein for ever gab es nicht.

ever...for ever...end...

Ein Leben steigt aus, ein Leben steigt ein
in diesen Zug auf Gleis 5.

Endlose Weite... und doch im Hier...

Der Zug fährt los.
Schwarz. Schwarz. Schwarz.

Megaphondurchsage durchdringt die Stille:
"Zeit heilt alle Wunden."

Mit jeder Stunde, die dieser Zug fahren wird,
verblassen Bilder. Jeder Tag verwischt Erinnerungen.

Und das Gleis 5
wartet auf einen neuen Zug
und
neue Fahrgäste...

6.10.07 20:33, kommentieren